Internat Kanada - Brentwood College School

Was Kanada bei Bildung anders macht – und was die neue PISA-Studie zeigt

Die gerade veröffentlichte PISA-Studie 2025 sorgt einmal mehr für Diskussionen über die Qualität unserer Schulen. Und die Ergebnisse sind aus deutscher Sicht wenig erfreulich: Deutschlands 15-Jährige erzielen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften die niedrigsten Werte, die seit Beginn der PISA-Erhebungen für Deutschland gemessen wurden. Österreich schneidet besser ab, musste aber ebenfalls weitere Rückgänge in Mathematik und Lesen hinnehmen.

Ganz anders präsentiert sich Kanada. Auch dort sind die Ergebnisse gegenüber früheren PISA-Runden zurückgegangen – ein Trend, den die OECD derzeit in vielen Industrieländern beobachtet. Trotzdem gehört Kanada weiterhin zur internationalen Spitzengruppe der westlichen Bildungssysteme und liegt in allen drei klassischen PISA-Bereichen deutlich über dem OECD-Durchschnitt.

Die Zahlen der PISA-Studie 2025 zeigen den Abstand recht eindrucksvoll:

PISA 2025 Naturwissenschaften Mathematik Lesen
Kanada 510 512 506
Österreich 497 494 498
Deutschland 486 485 486
OECD-Durchschnitt 482 482 481

Besonders bemerkenswert ist dabei nicht nur die Leistung der besonders starken Schülerinnen und Schüler. Kanada gelingt es deutlich besser, eine große Mehrheit der Jugendlichen auf ein solides Kompetenzniveau zu bringen. 84 Prozent der kanadischen Jugendlichen erreichen beispielsweise in Naturwissenschaften mindestens das von der OECD definierte Basisniveau; im OECD-Durchschnitt sind es lediglich 74 Prozent. Auch in Mathematik und Lesen liegt Kanada mit 74 beziehungsweise 78 Prozent deutlich über dem internationalen Durchschnitt.

Was macht Kanada anders?

Eine einfache Erklärung gibt es nicht – zumal Kanada gar kein einheitliches nationales Schulsystem besitzt. Bildung ist Aufgabe der Provinzen und Territorien. British Columbia, Ontario oder Quebec gestalten ihre Curricula und Schulen in weiten Teilen selbst. Gleichzeitig folgt das kanadische Bildungssystem jedoch einigen Grundprinzipien, die sich deutlich von Deutschland und Österreich unterscheiden. Einer der auffälligsten Unterschiede ist die spätere Selektion der Schülerinnen und Schüler.

In Deutschland und Österreich werden Bildungswege teilweise bereits im Alter von etwa zehn Jahren getrennt. Die OECD zählt beide Länder damit zu den Staaten mit der frühesten schulischen Selektion. In Kanada lernen Jugendliche dagegen wesentlich länger gemeinsam; die Differenzierung in unterschiedliche Bildungswege erfolgt typischerweise erst um das 16. Lebensjahr.

Das bedeutet nicht, dass alle kanadischen Schüler dasselbe lernen. Im Gegenteil. Gerade in der High School besteht häufig die Möglichkeit, Fächer entsprechend der eigenen Interessen und Fähigkeiten zu wählen und unterschiedliche Anspruchsniveaus zu kombinieren. Die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg wird damit weniger an einen bestimmten Schultyp gekoppelt.

Für Jugendliche kann das einen erheblichen Unterschied machen. Eine Schwäche in Mathematik mit elf oder zwölf Jahren entscheidet nicht zwangsläufig über die gesamte weitere Schulkarriere.

Leistung und Chancengerechtigkeit schließen sich nicht aus

Vielleicht noch interessanter als die reinen PISA-Punkte ist ein anderer Wert. In Deutschland beträgt der Leistungsunterschied in Naturwissenschaften zwischen dem sozial stärksten und dem sozial schwächsten Viertel der Jugendlichen 125 PISA-Punkte. In Österreich sind es 98 Punkte. In Kanada beträgt dieser Abstand lediglich 59 Punkte. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 85 Punkten.

Auch der Einfluss der sozialen Herkunft auf die schulischen Leistungen ist in Kanada auffallend gering. Nur rund sechs Prozent der Unterschiede in den naturwissenschaftlichen Ergebnissen lassen sich statistisch mit dem sozioökonomischen Hintergrund erklären. In Österreich sind es 14 Prozent, in Deutschland sogar 19 Prozent.

Gerade dieser Punkt ist bemerkenswert, weil Kanada gleichzeitig eines der klassischen Einwanderungsländer der Welt ist. Bereits frühere PISA-Auswertungen zeigten, dass Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund in Kanada keineswegs zwangsläufig schlechter abschneiden. In PISA 2022 lagen Jugendliche mit Migrationshintergrund in Mathematik sogar vor ihren Mitschülern ohne Migrationshintergrund.

Lernen bedeutet mehr als Prüfungen

Auch bei der Einstellung zum Lernen fallen kanadische Jugendliche positiv auf. 77 Prozent beschreiben sich als neugierig – gegenüber 73 Prozent im OECD-Durchschnitt. 66 Prozent sagen, dass sie sich zusätzlich anstrengen, wenn eine Aufgabe schwierig wird. Besonders interessant ist auch, dass 76 Prozent der kanadischen Schüler glauben, dass Intelligenz und Fähigkeiten durch Anstrengung und Feedback weiterentwickelt werden können. Im OECD-Durchschnitt sind es 69 Prozent. Dieses sogenannte Growth Mindset gehört zu den Grundideen vieler nordamerikanischer Schulen. Nicht nur das aktuelle Ergebnis zählt, sondern auch die Entwicklung eines Schülers. Und vielleicht ist genau das einer der interessantesten Unterschiede für Familien aus Deutschland und Österreich.

Was wir bei unseren Schulbesuchen in Kanada erleben

PISA misst ein gesamtes Bildungssystem. Die Studie sagt deshalb selbstverständlich nichts darüber aus, dass ein Internat automatisch besser ist als eine andere Schule. Was wir jedoch seit vielen Jahren bei der Beratung von Familien beobachten, passt erstaunlich gut zu einigen Ergebnissen der Studie. Gerade gute kanadische Boarding Schools verbinden eine anspruchsvolle akademische Ausbildung mit etwas, das im deutschsprachigen Schulsystem häufig zu kurz kommt, ist die individuelle Entwicklung.

Schüler werden nicht ausschließlich über Noten definiert. Sport, Musik, Outdoor Education, Debating, Leadership, soziales Engagement und persönliche Interessen gehören selbstverständlich zum Schulalltag. Gleichzeitig können leistungsstarke Schüler sehr anspruchsvolle Kurse wählen, während andere in einzelnen Bereichen zusätzliche Unterstützung erhalten. Gerade für Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren kann ein solches Jahr deshalb weit mehr sein als ein klassisches „Auslandsjahr“. Sie verbessern nicht nur ihr Englisch. Sie lernen, selbstständig zu werden, Verantwortung zu übernehmen, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden und mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenzuleben.

Und sie erleben ein Bildungssystem, das ihnen häufig einen neuen Blick auf die eigenen Fähigkeiten ermöglicht.
Kanada ist vielleicht nicht für jeden Schüler das richtige Land – aber für erstaunlich viele.

Die neue PISA-Studie liefert dafür kein Werbeversprechen. Aber sie bestätigt etwas, das wir bei unseren Schulbesuchen und in der Begleitung unserer Schüler immer wieder erleben: Kanada zeigt, dass hohe akademische Standards, individuelle Förderung und ein weniger selektives Bildungssystem sehr gut zusammenpassen können. Und genau deshalb gehört Kanada für uns zu den interessantesten Schulländern für einen Auslandsaufenthalt.

Entdecken Sie hier unsere Internate in Kanada.

Sie planen einen Auslandsaufenthalt Ihres Kindes an einem Internat in Kanada ? Wir freuen uns darauf, Sie und Ihr Kind persönlich kennenzulernen und Sie auf diesem spannenden Weg zu begleiten.