"Die Chemie muss stimmen" - Internatsberaterin Ulrike Riedenauer im Interview
Was ist wichtig bei der Wahl einer Internatsberatung und wo liegt der Unterschied zwischen einer individuellen Beratung und einer reinen Vermittlung? Ulrike Riedenauer im Interview über Vertrauen, Erfahrung und die Wahl der richtigen Internatsberatung.
Frage: Frau Riedenauer, Sie beraten seit mehr als 25 Jahren Familien, die einen Auslandsaufenthalt oder einen Internatsbesuch für ihr Kind planen. Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Faktor bei der Wahl einer Internatsberatung?
Ulrike Riedenauer: Die Erfahrung spielt natürlich eine große Rolle, aber sie allein reicht nicht aus. Das Wichtigste ist, dass die Chemie zwischen der Familie und der Beraterin oder dem Berater stimmt. Ein Auslandsaufenthalt ist eine weitreichende Entscheidung, die oft mit vielen Emotionen verbunden ist. Eltern geben ihr Kind für mehrere Monate oder sogar Jahre in eine neue Umgebung. Dafür braucht es Vertrauen.
Frage: Woran erkennen Eltern eine gute Internatsberatung?
Ulrike Riedenauer: Eine gute Beratung beginnt mit Zuhören. Es geht nicht darum, möglichst schnell eine Schule zu empfehlen, sondern zunächst das Kind kennenzulernen. Jedes Kind hat eine eigene Persönlichkeit, unterschiedliche Interessen, Stärken und Herausforderungen. Ebenso wichtig sind die Wünsche und Erwartungen der Familie. Erst wenn ich ein umfassendes Bild habe, kann ich passende Schulen auswählen.
Frage: Was unterscheidet eine individuelle Beratung von einer reinen Vermittlung?
Ulrike Riedenauer: Eine Vermittlung orientiert sich häufig an einem bestehenden Schulportfolio. Eine individuelle Beratung dagegen beginnt nicht bei den Schulen, sondern beim Kind. Ich sehe meine Aufgabe darin, die Schule zu finden, die wirklich zu diesem jungen Menschen passt – nicht umgekehrt. Das bedeutet manchmal auch, Eltern von einer zunächst favorisierten Schule abzuraten und Alternativen aufzuzeigen.
Frage: Welche Rolle spielt Ihre langjährige Erfahrung?
Ulrike Riedenauer: Nach mehr als 25 Jahren kenne ich die Internate persönlich. Ich habe Schulen mehrfach besucht, Schulleitungen kennengelernt und Entwicklungen über viele Jahre begleitet. Dieses Wissen findet man in keiner Broschüre und auf keiner Website. Gleichzeitig verändert sich die Bildungslandschaft ständig. Deshalb gehört regelmäßiger persönlicher Austausch mit den Schulen ebenso zu meiner Arbeit wie kontinuierliche Weiterbildung.
Frage: Viele Eltern orientieren sich an Rankings oder den schönsten Schulwebsites. Ist das sinnvoll?
Ulrike Riedenauer: Rankings können erste Anhaltspunkte liefern, aber sie sagen wenig darüber aus, ob eine Schule zu einem bestimmten Kind passt. Ein hervorragendes Internat ist nicht automatisch das richtige Internat. Entscheidend sind Fragen wie: Fühlt sich das Kind dort wohl? Passt die pädagogische Philosophie? Gibt es die passenden akademischen und außerschulischen Angebote? Die beste Schule ist immer diejenige, in der ein Kind sein Potenzial entfalten kann.
Frage: Welche Fragen sollten Eltern ihrer Beraterin oder ihrem Berater stellen?
Ulrike Riedenauer: Ich würde fragen: Kennen Sie die Schulen persönlich? Wie läuft Ihre Beratung ab? Begleiten Sie uns auch während des Bewerbungsprozesses und nach der Aufnahme? Eine seriöse Beratung zeichnet sich durch Transparenz, Ehrlichkeit und eine langfristige Begleitung aus.
Frage: Was erleben Sie häufig bei Familien, die zu Ihnen kommen?
Ulrike Riedenauer: Viele Eltern sind anfangs überwältigt von der Vielzahl der Möglichkeiten. Es gibt Hunderte hervorragende Internate weltweit. Meine Aufgabe ist es, Orientierung zu geben und gemeinsam die Optionen einzugrenzen. Oft höre ich nach den ersten Gesprächen den Satz: “Jetzt haben wir endlich Klarheit.”
Frage: Was möchten Sie Eltern mit auf den Weg geben, die einen Auslandsaufenthalt für ihr Kind planen?
Ulrike Riedenauer: Nehmen Sie sich Zeit für die Entscheidung. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl – sowohl bei der Wahl der Schule als auch bei der Wahl Ihrer Beraterin oder Ihres Beraters. Fachliche Kompetenz ist unverzichtbar, aber ebenso wichtig ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Wenn die Chemie stimmt, entsteht eine Beratung, die nicht nur zu einer guten Schule führt, sondern zu einer Erfahrung, die das Leben eines jungen Menschen nachhaltig bereichern kann.
Fazit:
Die Wahl eines Internats oder einer Schule im Ausland ist weit mehr als eine organisatorische Entscheidung – sie ist eine Investition in die Zukunft eines Kindes. Eine erfahrene, unabhängige und persönlich engagierte Internatsberatung hilft Familien dabei, den Überblick zu behalten und den richtigen Weg zu finden. Denn am Ende entscheidet nicht allein der Ruf einer Schule über den Erfolg eines Auslandsaufenthalts, sondern die Frage, ob Schule, Kind und Familie wirklich zueinander passen.